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Sportgroßereignisse wie Weltmeisterschaften oder die Olympische Spiele wurden lange Zeit als Wachstumstreiber gesehen. Durch Investitionen in die Infrastruktur, Modernisierungen und Tourismuseinnahmen soll die Konjunktur nachhaltig angeregt werden. Inzwischen bezweifeln Wissenschaftler diese These jedoch und gehen sogar von einem nachteiligen Effekt aus. Bei Frankreichs schwacher Wirtschaft könnte dies ein Problem werden.

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Victor Matheson hat die wirtschaftlichen Auswirkungen von Sportgroßereignissen mit internationalem Interesse untersucht und dafür mehrere Studien ausgewertet. Dabei fanden die Wissenschaftler kaum einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und den Veranstaltungen. Tatsächlich bleiben die Veranstaltungsländer in der Regel eher auf Milliardenkosten sitzen. So erging es etwa Montreal, die die 2,7 Milliarden Dollar Schulden aus den Olympischen Spielen 1976 erst knapp 30 Jahre später zurückzahlte. Sydney (2,2 Milliarden) erging es Jahr 2000 nicht besser.

Stadien erfordern erhebliche Investitionen

Eines der größten Probleme dabei ist die Schaffung oder Modernisierung der Sportstätten. Die Kosten sind derartig hoch, dass sie fast immer aus Staatsmitteln gestemmt werden müssen. So hat auch Straßburg für die Bewerbung für die EM 2016 zurückgezogen, weil die Investitionskosten von 130 Millionen nicht durch die öffentliche Hand aufgebracht werden konnte. Frankreich plant Neubauten in Décines-Charpieu (bei Lyon), Nizza und Villeneuve-d’Ascq (bei Lille) und zahlreiche Modernisierungen in den anderen Ausrichtungsstätten. Laut Plan werden 1,8 Milliarden Euro in die EM-Stadien investieren. Dabei wird rund eine Milliarde allerdings von den Investoren und Vereinen selbst getragen. Dass die Kosten innerhalb des Planungsbudgets bleiben, ist aufgrund der vergangenen Erfahrungen mit Großprojekten jedoch nicht sicher. Fast jeder Veranstalter musste das Kapital für die Ausrichtung des Sportereignisses aufstocken.

Einnahmen werden überschätzt

Lange Zeit waren Ökonomen der Meinung, dass die Staatsschulden durch Mehreinnahmen wieder wettgemacht werden würden. Sie argumentierten dabei auch mit Umsatzsteigerungen durch die Tourismusbranche. Tatsächlich ist dies nur bei Ländern möglich, deren Tourismus unterentwickelt ist. Wer ohnehin als beliebtes Reiseziel gilt, kann hingegen nicht mehr Besucher erwarten, da Touristen ohne Sportbegeisterung die Region wegen der Fußballfans meiden. Auch die heimische Wirtschaft profitiert in der Regel nicht wie erhofft von dem Großereignis. Grund dafür ist, dass die Besucher ihre Ausgaben auf den Fußball konzentrieren und die heimischen Produkte durch die Sponsoren der UEFA verdrängt werden.

Frankreichs Wirtschaft in der Krise

Als Negativbeispiel aus der jüngeren Zeit dient Brasilien. Die Wirtschaft des Landes ist nach der WM in eine Rezession geraten. Der Real bewegt sich auf einer beängstigenden Talfahrt und nur Forex-Händler können von der Krise profitieren, die die einst euphorische Stimmung unter den Anlegern inzwischen mehr als deutlich trübt. War Brasilien vor der WM noch einer der Favoriten unter den BRIC-Staaten, gilt es heute als Risiko für Anleger. Auch Frankreichs wirtschaftliche Entwicklung gibt derzeit nur wenig Anlass zum Optimismus. Die Arbeitslosigkeit ist zu Beginn des Jahres auf Rekordhoch angestiegen. Die Staatsschulden wachsen und die großen Rating-Agenturen stufen Frankreichs Bonität schon seit Ende 2013 nicht mehr als „stabil“ ein. Die EU rechnet für das Jahr 2105 mit einem Wirtschaftswachstum von nur 0,9 Prozent, während die Defizitquote bei 3,8 Prozent liegt. Die zweitgrößte Wirtschaft der Euro-Zone gerät damit immer stärker in Bedrängnis. Dass die EM diesen Trend abschwächen kann

Foto: Joao Castro / Wikipedia (CC BY 2.5)